Zeugen längst vergangener Tage

Ichneumonidae wasp, Xanthopimpla sp., All Rights Reserved, Senckenberg Forschungsmuseum und Naturmuseum, Frankfurt am Main, Germany
Stone fossil from messel pit in Germany

Malerei aus den Grotten von Altamaria oder Lascaux? Paläolithische Kunst jungsteinzeitlicher Jäger? Aber was wurde denn da für eine Mahlzeit erlegt, mit Flügeln am Rücken – sieht doch eher aus wie ein Insekt! 

Die erste Assoziation könnte falscher nicht sein. Zwar sehen wir das Abbild einer Kreatur auf Stein. Doch ist das Tier viel, viel älter als die Felsbilder unserer steinzeitlichen Vorfahren. Vor Dutzenden Millionen Jahren wurde es nach dem Tod in ein Sediment gebettet. In jüngerer Zeit wurde es schliesslich bei Grabungen in der Grube Messel in Deutschland wieder ans Tageslicht befördert und als Vetreter der Schlupfwespen (Ichneumonidae) identifiziert.

Ichneumonidae wasp, CC-BY-SA-3.0, Vengolis, https://en.wikipedia.org/wiki/Xanthopimpla_punctata#/media/File:Yellow_Ichneumon_Wasp.jpg
Die Schlupfwespe Xanthopim­­­­­­pla punc­­tata aus Indien. Das Art sieht noch fast genauso aus wie ihre fossilen Verwandten

Erstaunlich wie wenig sich das etwa 48 Millionen Jahre alte Fossil von heutigen Arten unterscheidet. Beispielsweise hat die Art Xanthopim­­pla punctata aus Indien (Bild rechts) eine sehr ähnliche Körperzeichnung. Zudem ragt auch bei ihr der lange Legebohrer wie ein Schwert aus dem Hinterleib. Leicht könnte der Eindruck entstehen, dass das auffallende Gelb ebenfalls am Körper des Fossils zu erkennen sei. Dies täuscht jedoch. Denn während der Entstehung von Fossilien bleibt einzig ein Abdruck des Zeichnungsmusters erhalten, nicht das Farbpigment des Tieres. Beim Gelborange handelt es sich also nur um die Farbe des betreffenden Gesteins, eines Ölschiefers aus dem Eozän.

Fossilien spielen bei der Erforschung einer grossen Tiergruppe wie den Schlupfwespen eine wichtige Rolle, etwa bei der Klärung von Alter und Herkunft. Seit wie vielen Jahrmillionen gibt es sie und wo genau sind sie entstanden? Erst die Untersuchung von Belegen wie derjenige aus Messel erlaubt die Beantwortung solcher Fragen. Oft kommen dabei modernste Analysemethoden am Computer zum Zug.

In Zusammenarbeit mit der Universität Bern widmen sich am Naturhistorischen Museum Bern zwei Wissenschaftlerinnen genau solchen Themen. Tamara Spasojevic macht hier ihre Dissertation. Sie wird betreut von Seraina Klopfstein, seit Jahren Mitglied im EVB. Zusammen haben sie schon einige Ergebnisse in Fachzeitschriften publiziert. Tamara hat erst kürzlich mehrere Arten aus der Grube Messel für die Wissenschaft neu beschrieben. Seraina arbeitet schon seit längerem an Methoden, um Fossilien besser in Stammbäume integrieren zu können. Darüber hat sie in der vergangenen Saison im Verein auch einen Vortrag gehalten.

Vielleicht lässt sich durch die Arbeiten der beiden fleissigen Forscherinnen mal schlüssig die Frage klären: Waren Schlupfwespen bereits Zeugen des Meteoriteneinschlags vor rund 65 Millionen Jahren, des berüchtigten KT-Impakts am Ende der Kreidezeit? Oder anders gefragt, haben sie die letzten Tage der Dinosaurier sozusagen live miterlebt?

Quellen
Protokoll des Vortrags von Seraina Klopfstein in der EVB-Sitzung vom 17.1.2017
Tamara Spasojevic et al. (2017) Ichneumonid parasitoid wasps from the Early EoceneRonquist, Seraina Klopfstein et al. (2012) A Total-Evidence Approach to Dating with Fossils…
Titelfoto: Xanthopimpla sp. aus der Grube Messel. Alle Rechte vorbehalten, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Frankfurt/M, Deutschland
Textfoto: Xanthopimpla puncatata, Ichneumonidae, CC-BY-SA-3.0, Vengolis