Zecken – eine Gefahr für den Insektenkundler

Eine vollgesogene Zecke, die sich am Blut eines Hundes, CC BY-SA-NC 4.0 Michael Gilgen, Switzerland
Eine vollgesogene Zecke, die sich am Blut eines Hundes gütlich tat. Bild. M. Gilgen, Bangerten CC BY-SA-NC 4.0

Im Jahr 2018 scheinen sie häufiger zu sein als auch schon: Die Plagegeister Zecken. Woran dies liegt, sei dahingestellt. Das warme Frühjahr hat auf jeden Fall dazu geführt, dass die Menschen vermehrt in die Natur gezogen sind und viele einen Zeckenstich erlitten haben. Entsprechend sind die Meldungen der durch Zecken übertragenen Krankheiten Zeckenenzephalitis und Borreliose in die Höhe geschnellt. Es gibt jedoch keinen Grund, nur aus Anlass eines Zeckenbisses den Arzt aufzusuchen.

Die Zecken gehören zu den Spinnentieren, somit haben sie beim Entomologischen Verein eigentlich nichts zu suchen*. Da Insektenkundler sich aber häufig in der Natur befinden, sind die Tiere, bzw. eher die durch sie übertragenen Krankheiten und deren Bekämpfung, für sie doch ein Thema.

Weltweit sind mehr als 800 verschiedene Zeckenarten bekannt. In der Schweiz am häufigsten tritt der „gemeine Holzbock“ Ixodes ricinus auf. Abhängig von der Temperatur sind die Tiere von März bis November maximal bis 1500 m ü.M. hoch hinauf aktiv. Unterhalb einer Temperatur von 7°C befinden sie sich in einer „Winterstarre“. Zecken sitzen auf Pflanzen bis 1.5 m Höhe und warten darauf, vom potentiellen Wirt abgestreift zu werden. Dass sich Zecken auf den Menschen fallen lassen, gehört in das Gebiet der Mythen und Fabeln. Die Zecke macht mehrere Entwicklungsstadien durch: Larve, Nymphe, Adulttier. Für eine erfolgreiche Entwicklung muss in jedem der Stadien einmal Blut gesaugt werden. Wirte sind Nager, Vögel und grössere Wirbeltiere wie Hasen, Rehe, Hunde, Katzen und natürlich der Mensch.

Die Zecke wartet auf einen Wirt.

Es gibt diverse Erreger, die durch Zecken übertragen werden können: Nur die Borreliose und Zeckenenzephalitis (FSME) sind aktuell von grösserer Bedeutung für den Menschen. Worum geht es und was kann der Entomologe dagegen tun.

Die Borreliose

Bei der Borreliose handelt es sich mit geschätzten 10‘000 Fällen in der Schweiz um die häufigste zeckenübertragene Erkrankung. Sie wird von verschiedenen nahe verwandten Bakterien der Gruppe Borrelia burgdorferi (sensu lato) übertragen. Rund 5-30% der Zecken sind mit Borrelien infiziert. Eine Erkrankung erfolgt in mehreren Stadien, meist beginnend mit grippeartigen Symptomen sowie dem Erythema migrans, einer grossflächigen Rötung die in der Umgebung des Einstichorts aber auch an anderen Stellen des Körpers auftreten kann. Mit Antibiotikaeinnahme wird die Erkrankung erfolgreich gestoppt. Falls die Erkrankung aber nicht erkannt oder nicht bekämpft wird, kann es zu weiteren vielfältigen Erkrankungen, u.a. des Nervensystems und des Herzens kommen, was selten auch zu lebenslangen Schäden führen kann.

Die Zeckenenzephalitis (FSME)

Bei der Frühsommerzeckenenzephalitis handelt es sich um eine Erkrankung, die durch ein Virus hervorgerufen wird. Mit FSME infizierte Zecken kommen in gewissen Gebieten („Endemiegebiet“) gehäuft vor. Nach dem Stich durch eine infizierte Zecke treten in mehr als 90% der Fälle keine oder nur asymptomatische Infektionen auf. Falls eine Infektion stattfindet, treten 1-2 Wochen nach dem Zeckenstich Beschwerden ähnlich denen einer Grippe auf. Eine zweite Phase kann sich bei rund 15% der Infizierten nach einem beschwerdefreien Intervall mir neurologischen Symptomen zeigen. Diese können bis zu bleibenden Schäden mit Lähmungen und Behinderungen führen. In der Schweiz werden mit zunehmender Tendenz jährlich zwischen 100 und 250 Fälle von FSME gemeldet. 80% der Patienten benötigen eine Hospitalisierung, in wenigen Fällen führt die Krankheit zum Tod. Gegen die FSME gibt es keine Therapie, eine Behandlung ist lediglich zur Linderung der Symptome möglich. Gegen die FSME kann aber geimpft werden, was jedem Entomologen nur wärmstens empfohlen werden kann.

Massnahmen gegen Zecken

Ob die Zecke von der man gestochen wird, einen Krankheitserreger in sich trägt oder nicht, ist Zufall. Man kann jedoch beeinflussen, ob man gestochen wird oder nicht. Mit folgenden Massnahmen kann das Risiko eines Zeckenstichs reduziert werden:

Gut abschliessende Kleidung, hell, damit die Zecken gut sichtbar sind. Socken über die Hosen stülpen. Repellentien (Insektenschutzmittel) verwenden. Nach Aufenthalt in der Natur Kleider wechseln, Körper nach Zecken absuchen. Duschen, Körper gut „abrubbeln“. Zecken die angedockt haben, rasch mit einer Pinzette entfernen, desinfizieren. Ein Arztbesuch ist zu diesem Zeitpunkt nicht angebracht. Unterholz meiden – diese Empfehlung ist für einen Entomologen auf der Insektenjagd selbstverständlich kaum brauchbar.

*Diese Aussage stimmt nicht ganz, siehe hier.

Quellen / Weiterführende Informationen
Empfehlungen mit Verbreitungskarte FSME (BAG)
Infos zur FSME (BAG)
Infos zur Borreliose (BAG)
Verbreitungskarten Borreliose und FSME (->Geokatalog->Bevölkerung und Wirtschaft->Gesundheit)

Beitragsbild: Eine vollgesaugte Zecke. Bilder: Michael Gilgen, Bangerten, CC BY-SA-NC 4.0